Read Die Aufklärung: Europa im 18. Jahrhundert (Reclams Universal-Bibliothek) by Barbara Stollberg-Rilinger Online

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Die politische, soziale und geistige Bewegung der Aufkl rung ist ein europ isches Ph nomen Sie hat in ganz Europa der Geschichte des 18 Jahrhunderts ihre charakteristischen Z ge verliehen In Frankreich, England, Deutschland, Italien, Spanien und dar ber hinaus, berall wurde der Begriff der Aufkl rung zum Modewort, die Vorstellung davon, Licht ins Dunkel der Unvernunft zu bringen, den Nebel des Aberglaubens und der Vorurteile zu vertreiben, zum vieldiskutierten Leitbild Der berblick der renommierten M nsteraner Historikerin erfasst diese gesamteurop ische Geistesbewegung und schildert sie in aller Vielfalt, wenn nicht gar Widerspr chlichkeit....

Title : Die Aufklärung: Europa im 18. Jahrhundert (Reclams Universal-Bibliothek)
Author :
Rating :
ISBN : 3150188822
ISBN13 : 978-3150188828
Format Type : EPub
Language : Deutsch
Publisher : Reclam, Philipp, jun GmbH, Verlag Auflage 3., aktual 1 August 2011
Number of Pages : 477 Pages
File Size : 975 KB
Status : Available For Download
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Die Aufklärung: Europa im 18. Jahrhundert (Reclams Universal-Bibliothek) Reviews

  • StevenStone
    2018-12-11 14:18

    Alle Epochen-Begriffe sind so hilfreich wie mangelhaft. Sie sind ein zur Orientierung und zum Studium notwendiges Grobraster und verführen doch gleichzeitig zu einer leidigen Nivellierung und holzschnittartigen Vereinfachung der geschichtlichen Vielfalt. Ganz besonders gilt dies auch für den Begriff der Aufklärung, mit der die großen europäischen Nationalkulturen in jeweils verschiedener Ausprägung arbeiten. Er stellt gewisser Maßen das positive Gegenstück zum noch reißerischeren Schlagwort vom finsteren Mittelalter dar, das so wenig nur finster war wie die Aufklärung gewiss nicht per se nur erleuchtend und Vernunft bringend war. Diese Problematik ist ein Spannungsfeld, welches bald vielfältig in Erscheinung tritt, sobald man die oberflächlichen Schichten der Aufklärung durchdringt. Die Beschäftigung mit dem Thema in dieser sensiblen und die Ambivalenzen und Kollateraleffekte berücksichtigenden Manier ist der große Vorzug Stollberg-Rilingers Darstellung Europas im 18.Jahrhundert – so der Untertitel ihres vorzüglichen Sachbuches. Der Stil ist elegant und präzise. Es macht große Freude, es zu lesen. Ich denke, es nimmt eine Mittelstellung zwischen straffen Kurzeinführungen etwas aus der Beck-Reihe „Wissen“, die mit reichlich 100 Seiten auskommen und wissenschaftlichen Kompendien ein, stellt also ein Format dar, dass für den interessierten und vorgebildeten Nicht-Fachmann besonders attraktiv ist. Auf knapp 300 Seiten wird mit wohlbemessener Zahl der Quellen ohne Schnickschnack und überflüssige Anekdoten ein gewaltiges Material präsentiert und es überzeugend in Beziehung gesetzt und gedeutet. In zehn Kapiteln wird die Umbruchzeit in unterschiedlichen Facetten betrachtet. Das erste gilt der machtpolitischen europäischen Konstellation, also letzten Endes dynastischen und staatlichen Spielregeln und Rechtsnormen. Im zweiten geht es um die wirtschaftlichen Umbrüche – Manufakturen, protoindustrielle Produktionsformen, Handelsexpansion und den Widerstreit zwischen Merkantilisten und Physiokraten (d.h.Anhängern einer freien, sich selbst regulierenden Marktwirtschaft). Im dritten werden soziale Strukturen untersucht, Bürger mit Adel und Stadt mit Land kontrastiert. Um Kirchenkritik, Vernunftreligion und die Reaktionen auf eine „vernünftige“ Reduktion des Glaubens in Form neuer Frömmigkeitsbewegungen geht es im vierten. Das fünfte beschreibt sehr anschaulich neue Formen und die unglaubliche Intensität, fast schon Besessenheit ( Briefwechsel!). der Kommunikation. Die sich wandelnden Geschlechterrollen und die keineswegs nur aufklärerischer Vernunft verpflichtete neue Rolle der Frau werden im sechsten Kapitel erörtert. Das siebte verhandelt die Neuorientierung der Wissenschaften und der Philosophie, die Wissensexplosion und die zunehmend mathematisch-naturwissenschaftliche Prägung des Weltbildes, welche der Schöpfungsgeschichte erstmals den Rang einer schönen Legende zuweist. Das achte beschäftigt sich mit der Rechtsphilosophie des 18.Jahrhunderts, mit Naturrecht und Staatsrecht. Das neunte erzählt von Aufständen, Revolten und Konflikten und der sich abzeichnenden französischen Revolution. Im zehnten schließlich werden mit sehr klug gewählten neuen Koordinaten nochmals die unweigerlichen dialektischen und antinomischen Dynamiken der Zeit aufgeführt. Die Menschheitsentwicklung im Lichte der enormen Wissensvermehrung erscheint Condorcet als ein triumphaler Sieg der Vernunft, Rousseau dagegen eher als fataler Verlust der Unschuld und fortschreitende Degeneration. Menschen- und Bürgerrechte werden gegen Widerstand von Adel und Klerus durchgesetzt, Frauen, Sklaven und Juden aber werden gesondert behandelt. Die kühnsten Anwälte der Entrechteten wie Voltaire, John Locke, Montesquieu, Jefferson und andere profitierten von der Kolonialwirtschaft oder hielten selber Sklaven. Insgesamt ein ganz hervorragend verfasstes Kompendium der Aufklärung, dass bei enormer Belesenheit und Quellenkunde den Leser nicht mit ausgestellter Detailkenntnis der Fakten traktiert, sondern Personen und Ereignisse immer dem Zweck einer Ideengeschichte (Kulturanthropologie) unterordnet. Sehr empfehlenswert.

  • Martin K.
    2018-12-05 10:31

    Die wichtigsten Informationen zur Phase der Aufklärung werden in diesem Band sehr gut und in kompakter Art und Weise dargestellt. Kurze Unterkapitel verleiten zu einem kurzweiligen Erlebnis mit interessanten Aspekten. Als Einstieg bzw. Überblickslektüre auf jeden Fall empfehlenswert.

  • MelSie
    2018-11-11 13:38

    Ein beeindruckendes kleines Büchlein. Ich hatte mich nie besonders für die Aufklärung interessiert, allerdings mussten wir dieses Werk in einer Vorlesung durcharbeiten und mit der Zeit habe ich sogar Gefallen daran gefunden. Es ist gut verständlich geschrieben und spricht die wichtigsten Themen an. Natürlich wird nicht sehr ins Detail gegangen, was aber anhand der Informationen gar nicht möglich wäre. Allerdings gibt es einem zu den verschiedensten Aspekte einen Überblick und legt so den Grundstein für weitere Recherchen.

  • Margarete
    2018-11-18 14:29

    1. Mich hat das Thema interessiert.2. Ich kenne die Autorin aus der Literatur als kompetente Hitorikerin, die ihre Themen kompetent vor dem Hintergrund eines umfassenden Wissens behandelt.3. Ich schätze den gut lesbaren Stil der Autorin.Und ich fühlte mich nach der Lektüre gut informiert.

  • Kankin Gawain
    2018-11-29 16:36

    Ein sehr angenehm und leicht zu lesendes, kleines historisches Werk ist dieses Reclam-Büchlein von Frau Stollberg-Rilinger. Zu seinen Vorzügen gehört, dass jenes Zeitalter der Aufklärung breiter und facettenreicher dargestellt wird als in den sonst üblichen linearen Mustern unserer "großen Erzählungen" vom Fortschritt der Moderne. Gemeinhin beschreiben unsere Schulbücher die Entwicklung seit dem 18. Jahrhundert ja als einen Vorgang beinahe ohne alle Brüche oder Verzweigungen und Sackgassen. Da ist es sehr erfrischend einmal zu lesen, dass die "Aufklärung" kein monolithischer Block zueinander widerspruchsfreier Ideen war, sondern dass es unter ihren Vertretern Republikaner neben Monarchisten, Idealisten neben Materialisten, religiös Tolerante neben verbohrten Atheisten gab. Wenn man es genauer betrachtet, scheint es zwar so, dass die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, im sogenannten Westen, sich wie eine konsequente Erfüllung aller je von Aufklärern erträumten Utopien darstellt. Schaut man aber genauer hin, so waren Demokratie, ökonomischer und gesellschaftlicher Liberalismus, und der heute so weit verbreitete Materialismus im späten 18. Jahrhundert, auch unter den bedeutendsten Köpfen jener Zeit, nur Minderheiten-Positionen. So weist die Autorin zu Recht darauf hin, dass etwa die Vertreter der "Weimarer Klassik" durch die Bank eigentlich Monarchisten waren und an der Legitimität bzw. der Notwendigkeit absolutistischer Herrschaft kaum gezweifelt haben.Zu dieser weiter gefassten Perspektive passt auch, dass Frau Stollberg-Rilinger ihre Abhandlung mit der Thematik des Hungers beginnen lässt. Zwar habe man im 18. Jahrhundert zum ersten mal in der Geschichte die begründete Hoffnung gehabt, die großen Geißeln der Menschheit zu besiegen, gleichzeitig sei das Jahrhundert aber gezeichnet gewesen durch große Unsicherheiten zum Beispiel auf dem Feld der Ernährung. Was heute auch wenig bewusst ist, ist die Tatsache, dass jenes Zeitalter sich Klima-Historisch in der Phase einer kleinen Eiszeit befand, die erst Mitte des !9, Jahrhunderts endete. Das heißt, man kann die Bemühungen der großen Aufklärer auch so verstehen, dass diese sich an einer großen gesellschaftlichen und ökonomischen Herausforderung (durch das Klima) abarbeiteten. Per aspera ad astra, sozusagen.