Read Die Transzendenz des Ego: Philosophische Essays 1931 - 1939 by Jean-Paul Sartre Online

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In den philosophischen Schriften der Jahre 1931 bis 1939 arbeitet Jean Paul Sartre an der theoretischen Basis seines philosophischen Werks Er entwickelt in seinem Essay Die Transzendenz des Ego eine an Husserl ankn pfende Bewu tseinsphilosophie Die sprachliche Virtuosit t macht die Lekt re der Essays dieser Zeit zu einem spannenden intellektuellen Vergn gen....

Title : Die Transzendenz des Ego: Philosophische Essays 1931 - 1939
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ISBN : 3499221454
ISBN13 : 978-3499221453
Format Type : Other Book
Language : Deutsch
Publisher : Rowohlt Taschenbuch Auflage 3 2 Juni 1997
Number of Pages : 360 Seiten
File Size : 799 KB
Status : Available For Download
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Die Transzendenz des Ego: Philosophische Essays 1931 - 1939 Reviews

  • Simon
    2018-10-18 23:57

    Skizze einer Theorie der EmotionenSartre zielt auf eine grundlegende Erklärung der Emotionen, die über das empirisch-psychologische Feststellen, Beschreiben und Auflisten hinausgeht. Es ist ihm darum zu tun, sie von der “Wesensrealität des Menschen” (S. 260) her zu erfassen, philosophisch (in diesem Fall phänomenologisch) das Faktische aufzuhellen. Selbst ein herkömmlicher Psychologe müsse unter der Hand ein Grundverständnis in Anschlag bringen, ohne das ihm die Eigenart des Emotionalen entgehen würde: “Wenn wir nicht implizit auf das Wesen von Emotion rekurrierten, wäre es uns unmöglich, in der Masse der psychischen Tatsachen die besondere Gruppe der Emotivitätsfakten zu unterscheiden.” (S. 261) Es handelt sich darum, den “Verallgemeinerungen der Psychologen eine etwas solidere Basis zu geben” dadurch, dass man nicht bloß vom Empirischen, Aposteriorischen begriffsbildend abstrahiert, sondern umgekehrt vom Apriorischen, von der empirischer Betrachtung vorgängigen Wesensbestimmung des Menschseins her ein Konzept des Gefühls entwickelt (S. 261Der Ansatzpunkt kann nur “im Inneren” liegen, das heißt im Bewusstsein selbst, um von dort her “das transzendentale Wesen der Emotion als organisierten Bewusstseinstypus zu fassen und aufzuklären” (S. 262) unter der Voraussetzung, dass das Bewusstsein sich selbst gegeben ist qua Selbst-Bewusstsein, woraus sich ein “absolute Nähe des Untersuchenden zum untersuchten Gegenstand” ergibt (S. 262). Die damit implizierte Möglichkeit eines “Verstehens der menschlichen-Realität durch sich selbst” charakterisiert Sartre mit dem ontologischen Heidegger-Diktum: “Im Sein dieses Seienden verhält sich dieses selbst zu seinem Sein.” (S. 263) Beim in Rede stehenden Problem geht es im Kern um die Frage, ob Emotionalität mehr ist als akzidentell und kontingent: “Kann man Bewusstseine denken, die nicht die Emotion in ihren Möglichkeiten zuließen, oder muss man in ihr eine unentbehrliche Struktur des Bewusstseins sehen?” (S. 264)Nun habe ich erwartet, was Sartre aber gerade explizit ausschließt, wobei mir die Unterscheidung nicht ganz klar wird: “Es ist nicht unsere Absicht, eine phänomenologische Untersuchung der Emotion zu versuchen. Wollte man eine solche Untersuchung skizzieren, so beträfe sie die Affektivität als existenziellen Modus der menschlichen Realität. [Aber die kommt doch ins Spiel. Wie soll man auch in diesem bescheideneren Rahmen ohne diese bewusstseinstheoretische Annahme auskommen?] Unsere Ambitionen sind jedoch begrenzter. Wir möchten versuchen,, an einem präzise und konkreten Fall, nämlich dem der Emotion, zu sehen, on die reine Psychologie eine Methode und Information aus der Phänomenologie gewinnen kann.” (S. 266)Zu verfahren ist - in Abhebung von anderen Theorie-Ansätzen - also nach der Maßgabe, “dass alles, was im Bewusstsein passiert, seine Erklärung nur aus dem Bewusstsein erhalten kann” (S. 287). Dreh- und Angelpunkt ist das, was Sartre als cartesianisches “cogito” ins Spiel bringt, als schlechthin Unhintergehbares im Bemühen, Bewusstseinsphänomenen jenseits der Abstraktion nach induktiver Methode auf den Grund zu gehen. Wichtig dabei ist Sartes Unterscheidung zwischen dem nicht-positionalen (auf die Welt gerichteten) Bewusstsein von sich selbst und demjenigen, in das es sich in jedem Moment wandeln kann, indem es sich auf sich zurückwendet, sich selbst thematisiert (“thetisch” oder “reflexiv”). Der erste Typus ist nicht zu verwechseln mit “Unbewusstheit”: “...ein unreflektiertes Verhalten ist kein unbewusstes Verhalten, es ist sich nicht-thetisch seiner selbst bewusst...”(S. 293)Sartre betrachtet emotionale Phänomene wie etwa Furcht, Traurigkeit und - auffallenderweise als einzige “positive” Emotion - Freude. Die Darlegungen haben etwas Pejorisierendes, einen unübersehbaren Negativdrall, so als ob emotionale Reaktionen und Zustände immer die Störung eines Grundgleichgewichts wären, ein schlechtes Derivat, eine Trübung des “richtigen”, sich im “Normalnull”-Zustand befindlichen, in sich selbst klaren, weil von Rationalität durchherrschten Bewusstseins. Ein “trouble” hebt die wohltemperierte “clairvoyance”, die Oberhoheit des sich selbst transparenten Subjekts des Erlebens auf - aber die stets vorhandene Grundstimmung ist doch ebenfalls emotional, will sagen: Ist Bewusstsein nicht fundamental, in jedem Moment und nicht bloß bei den auffälligen “Ausschlägen”, die erkennbar sind als Trauer, Freude etc. - gefühlsbestimmt, damit immer auch irrational? Die Emotionen erscheinen in der Skizze als Krise, als Selbstverdunkelung des Bewusstseins, als magischer Akt, bei dem die “VerantwortlichkeiAllerdings macht er auf die verstärkende Wechselwirkung aufmerksam: Ist das Bewusstsein einmal emotional “getrübt”, verändert sich entsprechend die Welt, und so, wie sie sich jetzt als “magisch konstituiert “ (S. 302) darbietet, reagiert das Bewusstsein gleichfalls entsprechend auf sie in einem somit geschlossenen Kreislauf der Verhexung. Das macht nach Sartre - bei einem Anteil von ”Unehrlichkeit” (S. 307) - die Echtheit der (wahren) Emotion aus, zu der ein “Glauben” an die ihr korrespondierende Erscheinungswiese der Wirklichkeit gehöre. Siehe dazu folgende Stellen: “Die Emotion wird erlitten. Man kann nicht beliebig aus ihr heraus...” (S. 304). “Damit wir das Entsetzliche wirklich erfassen, dürfen wir es nicht nur mimen, wir müssen von unserer eigenen Emotion behext, überwältigt sein, der formale Rahmen des Verhaltens muss mit etwas Opakem und Schwerem erfüllt sein, das ihm als Materie dient.” (S. 304) “Man muss bedenken, dass die Emotion nicht bloß gespielt ist, sie ist kein reines Verhalten; sie ist das VUnd wie kann man hinausgelangen aus der magischen Gefangenheit? Da es bei aller Verstricktheit letztlich immer das Bewusstsein ist, dass sich darin hält, liegt die “Lösung” nahe: “Die Befreiung muss von einer reinigenden Reflexion oder von einem totalen Verschwinden der erregenden Situation herkommen.” (S. 308).Nun schiebt Sartre freilich nach, dass der rationalen, aufs klare Handeln in der Ding-Welt gerichteten Selbstbestimmtheit , der “Oberhoheit” des Bewusstseins doch engere Grenzen gesetzt sind, als es zunächst schien. Das betrifft vor allem das Auftauchen anderer Bewusstseine; die entsprechenden Interaktionen konstituierten “eine existenzielle Struktur der Welt, die magisch ist” (S. 311). Eine grundsätzliche Relativierung.Alles in allem entspricht das Konzept der Emotionen einem ratio-bestimmten Intellekt. Ist das nicht verengend? Gleichwohl muss der Ausgangspunkt der Betrachtung, das logische Primat das bewusste Sich-Vollziehen (ob nun als “cogito” oder wie auch immer bezeichnet) sein, das gleichsam intern und in “regressiver Analyse” die Bedingungen seiner Eigenart erfragt.Das Konzept passt zu Sartres und Beauvoirs Beargwöhnung der “Leidenschaft” qua Selbstentfremdungsverhalten, zur “Leidenschaft”, die im Ruch der “mauvaise foi” steht. Es passt auch zu dem, was Sartre seine "légèreté" genannt (und auch bedauert) hat, dieses Hinweggleiten, die gewisse Unberührtheit (im Gegensatz zu dem, was er in der “Skizze” als die Lage beschreibt, in der “das Bewusstsein Opfer seiner eigenen Falle ist”, S. 307). Insofern entspricht die skizzierte Theorie der Emotionen dem Temperament desjenigen, der sie aufgestellt hat.

  • Jérôme
    2018-10-15 19:43

    Das Ego, ein Bewohner des Bewusstseins. Diese von Philosophen und Psychologen vertretene Auffassung möchte Sartre verwerfen und stattdessen eine Theorie entgegenstellen, die das Ego an seinen rechtmäßigen Platz zurückbringt. Es gilt das Bewusstsein von all den obskuren Elementen, die es trüben und undurchlässig machen zu befreien und dessen eigentliches Prinzip, die Intentionalität, herauszustellen. Von Husserls Maxime geprägt, dass sich die Dinge nicht im Bewusstsein auflösen lassen, wendet sich Sartre gegen eine Verdauungsphilosophie und möchte mit „Die Transzendenz des Ego" eine phänomenologische Beschreibung über das Ich skizzieren.Zunächst beginnt Sartre seine Schrift mit der Vertreibung des formalen Ich aus der Bewusstseinsstruktur, um Auffassungen der Gegenwartsphilosophie, wie sie der Neukantianismus und der Empiriokritizismus mitbringen, zu revidieren. Das „Ich denke“, welches Kant, als die Möglichkeitsbedingung ansah, um Vorstellungen synthetisch miteinander zu vereinigen und in uns das Gefühl von Kontinuität entstehen zu lassen, veranlasste die Überlegung, diesen Bezugspunkt, als etwas real Existierendes zu bestimmen.Zur Widerlegung dieser These, wendet er sich nun der Phänomenologie Husserls zu, um über diese zu seiner Behauptung zu gelangen, dass es das Bewusstsein ist, welches gänzlich ohne einer vermittelnden Instanz zu bedürfen, wie der eines Ich, sich selbstständig zu vereinigen in der Lage ist. Husserl habe zwar erkannt, dass es ein transzendentales Bewusstsein gibt, dass das Ich, als eine Produktion eben dieses Bewusstseins herstellt, allerdings kritisiert Sartre, dass er dennoch Zuflucht zu einem überflüssigen transzendentalen Ich genommen habe, dass sich uns in jedes Aufmerksamkeitsfeld einschleuse. Denn die Tatsache, dass das Bewusstsein von einem Ich bewohnt wäre, würde den Tod des Bewusstseins bedeuten und „es teilen, in jedes Bewusstsein gleiten wie eine opake Klinge.“Sartre möchte vielmehr auf das Grundprinzip der Phänomenologie, die Intentionalität, verweisen, um der gewöhnlichen Annahme, nach der das Ich der „permanente Brennpunkt“ sei, dessen Überflüssigkeit aufzuzeigen. Dieser zufolge ist Bewusstsein immer auf ein Objekt gerichtetes Bewusstsein. Wenn ich im Park ein schönes Mädchen sehe, dann hat sich das Bewusstsein auf dieses Objekt hin transzendiert, um es zu erfassen. Allerdings bin ich mir über dieses Bewusstsein selber nicht bewusst, da es ja vollständig von diesem Mädchen erfüllt ist. Erst wenn ich das auf das Mädchen gerichtete Bewusstsein eigenständig als Objekt setzen würde, wäre ich mir der Tatsache bewusst, Bewusstsein von dem Mädchen zu haben und wäre im Reich der Reflexion angekommen.Doch wo waren wir und unser ich vorher?Sartre zufolge verfügen wir auf der unreflektierten Ebene über kein Ich. Wenn ich einem Mädchen nachlaufe, wenn ich ein Lied höre, wenn ich in mein Buch vertieft bin, gibt es kein Ich. Es gibt einfach Bewusstsein von-dem-nachzulaufenden-Mädchen, Bewusstsein von der Handlung des Buches usw., aber kein setzendes Bewusstsein von diesen Bewusstseinen. Das von Sartre gewählte Beispiel der Rechenaufgabe verdeutlicht sehr gut, wie sich Bewusstseine in der Zeit vereinen, denn es ließe sich einwenden, dass es eines Vereinigungsprinzips bedarf, dass für die Kontinuität der zu synthetisierenden Bewusstseine sorge.Um im Rahmen der Aufgabe 2+2, dass Ergebnis 4 zu finden, vereinigen sich diverse Augenblicksbewusstseine, da sie das gleiche Objekt anvisieren, nämlich 2+2=4, in einem einzigen Bewusstsein. Darüber hinaus vereinigt sich das Bewusstsein mit bereits vergangenen Bewusstseinen, indem es auf diese intendiert. Wir haben es hier also laut Sartre, um ein Spiel, von auf sich gegenseitig beziehender Intentionalitäten zu tun. Eine Schlussfolgerung die dem Alltagsverständnis durchaus widerstrebt, da das Ich für gewöhnlich als der alle Bewusstseinsvorgänge begleitende Pol angesehen wird. Eine Begleitung, die jedoch in präreflexiven Zuständen, wie wir sie den Tag über, während unzähliger Situationen wahrnehmen können, nicht existent ist.Da uns jedoch eine anschließende Rückwendung auf unreflektierte Zustände ein Ich aufzeigt, welches zwar nachträglich hinzu projiziert wurde, lässt sich die These der Ichlosigkeit nicht so einfach beweisen. Es bedarf also eines Zuganges, der am Erfassen eines Ich vorbeikommt und dennoch auf ein unreflektiertes Bewusstsein gerichtet ist. Sartre zufolge, ermöglicht eine nicht setzende Erinnerung diesen Vorgang. Diese gestalte sich so, dass ich mich auf die Objekte vergangener Erinnerungen beziehe, wie dem schönen Mädchen, einem Lied, ohne diese Bewusstseine eigens als Reflexionen zu setzen. Das bedeutet, dass ich mich während dieser Vergegenwärtigungen versuche auszuschalten und mich vollständig auf die Bewusstseinsobjekte richte. Es folgt die erste Schlussfolgerung, der zufolge das Ich im unreflektierten Zustand nicht da war.Bevor Sartre den Vorgang der eigentlichen Konstitution des Ego aufzeigt, entledigt er sich vorher noch einer Theorie, wie sie von französischen Moralisten aufgestellt wurde, wonach „die Selbstliebe - und folglich das ICH – unter tausend verschiedenen Formen in allen Gefühlen verborgen“ sei. Doch diese Ansicht, die die Präsens eines materialen Ich im Bewusstsein postuliert, kann Sartre durch seine Vorstellung von einem durch Transzluzidität geprägten Bewusstsein nicht akzeptieren. Denn es geht ihm ja um die Vertreibung sämtlicher inhärenter Objekte, wie einem Ich, aber eben auch bestimmter Begierden, um dem Bewusstsein seine Eigenschaft der Transzendenz und Durchsichtigkeit zu erhalten.Die Feststellung der Moralisten und auch Psychologen sei nun die, dass angenommen werde, dass sich auf der unreflektierten Ebene eine unbewusste Reflexion verberge. Jemandem zu helfen weil er hilfsbedürftig sei, stelle für die Verteidiger der Eigenliebe daher kein „vollständiges und autonomes Moment“ dar, sondern beinhalte eine versteckte reflexive Feststellung, der zufolge wir der Unannehmlichkeit, in die uns die Leiden des Hilfsbedürftigen versetzen, ein Ende bereiten wollen.Sartre hingegen möchte aufzeigen, dass das unreflektierte Bewusstsein als unabhängig und selbstständig betrachtet werden muss. Auf dieser Stufe kann nur ein-hilfebrauchender-Mensch das Bewusstseinsobjekt darstellen. Erst ein Reflexionsakt könnte über dieses Objekt hinaus, zu der zusätzlichen Qualität gelangen, dass ich meinen Leiden ein Ende bereiten will. Eine weitere Tatsache, die Sartre aufzeigt, stellt die Überlegung dar, dass diese Reflexion die Reinheit unserer Antriebe vergiftet, was Sartre wie folgt ausdrückt:„Die Reflexion vergiftet die Begierde. Auf der unreflektierten Ebene leiste ich Pierre Hilfe, weil er Hilfe-brauchend ist. Wenn sich mein Zustand transformiert, dann bin ich gerade dabei mich handeln zu sehen(…)Nicht mehr Pierre zieht mich an, es ist mein hilfsbereites Bewusstsein, das mir als etwas erscheint, was fortbestehen muss.“Dementsprechend, führt die Transformation durch die Reflexion zu einem Verlust an Authentizität, wodurch unsere Handlungen den Charakter der Künstlichkeit und Kalkulation erlangen, auf Kosten der naiven, unbewussten und originalen Einstellung.Nachdem Sartre das formale und materiale Ich aus dem Bewusstsein entfernt hat, da dieses sich selbst als Einheit in der Zeit konstituieren kann, erörtert er nun den Prozess, wie das Ego auf der reflexiven Ebene, als transzendenter Pol, für Einheit innerhalb von Zuständen, Handlungen und Qualitäten sorgt. Doch befähigt uns die Erfahrung der Reflexion überhaupt zu evidenten und apodiktischen Aussagen über dieses Ich, oder kann die Reflexion uns auch zu Täuschungen verführen?Die Reflexion hat Geltungsgrenzen, sagt Sartre. Sie kann von einem Bewusstsein, dass sie setzt, zwar evidente und adäquate Behauptungen machen, doch wenn sich das Bewusstsein plötzlich über diese Reflexion erhebt und sich auf ein anderes Objekt richtet, dann behauptet das Bewusstsein mehr als es wissen konnte, da es das gesetzte Bewusstsein „auf ein außerhalb des Bewusstseins situiertes Objekt gerichtet hat“. Wenn ein Mädchen, dem ich mich zugeneigt fühle, in mir ein Anziehungsbewusstsein entstehen lässt, dann kann mir die Reflexion zwar eine evidente Erkenntnis liefern, doch wenn ich dieses Gefühl als Liebe interpretiere, dann verlasse ich den Geltungsbereich der Reflexion und vollziehe „sofort einen Übergang zum Unendlichen“, auf das transzendente Objekt Liebe hin, dessen Status immer zweifelhaft bleiben wird. Zustände von der Art, wie sie die Liebe, der Hass, aber auch das Glück aufzeigen, stellen passive und träge Bewusstseinsstrukturen dar, weil sie von der Ausrichtung eines Bewusstseins auf sie abhängen. Dieser Bezug vom einzelnen Zuneigungserlebnis zur Liebe, stellt für Sartre eine „magische Verbindung“ dar, die die Relation zwischen Bewusstsein und Zustand verdeutlichen soll.Nachdem Sartre also das Psychische durch die transzendenten Objekte des reflexiven Bewusstseins charakterisiert hat, versucht er nun den Begriff des Ego zu explizieren. Dieses manifestiert sich, Sartre zufolge, nicht „als eine Art X-Pol(…), der der Träger der psychischen Phänomene wäre. Denn dadurch würde es diesen gegenüber gleichgültig und unabhängig sein. Vielmehr partizipiert das Ego gerade an seinen Zuständen und wird durch diese modifiziert. Es stellt sich als eine unauflösliche Komposition dar, die der einer Melodie gleicht und ohne auf einen Träger-Pol zu rekurrieren, in der Lage ist, sich selber zu tragen. Sartre spricht von einer „synthetischen Totalität“, wie sie die Welt für die Dinge ist. Würde man in dieser Totalität einen Aspekt verändern, dann hätte dies Auswirkungen auf die ganze Einheit, ähnlich einem veränderten Ton auf die Melodie.Das Ego, welches als materiales Ich aufgefasst werden kann, stellt also eine transzendente Einheit dar, auf welches wir uns durch reflexive Intuitionen beziehen können. Die Augenblickszustände, wie sie die Wut oder der Neid darstellen können, beanspruchen jedoch einen zweifelhaften Charakter, da das Ego von späteren Intuitionen anders aufgefasst werden kann. Auch die Erinnerungsstruktur kann zu falsch zusammengesetzten Elementen beitragen, so dass das Ego für Sartre ist ein hypothetisches Objekt darstellt.Der Vorstellung, nach der das Ego seine Zustände hervorbringt, die nach dem Kreationsmodus einer creatio ex nihilo, an das Ich geheftet werden, möchte Sartre eine entgegengesetzte Auffassung dagegenstellen, nach der es das reflexive Bewusstsein ist, dass das Ich konstituiert. Indem einem reflektierten Bewusstsein im Rahmen einer Interpretation ein Ich hinzugefügt wurde, geht es ja über das hinaus, was das erfasste Bewusstsein als sicher aufzeigt.Sartre zieht die Schlussfolgerung, dass das Bewusstsein das Ego „als eine falsche Vorstellung von sich selbst konstituierte, als wenn es sich ganz an diesem Ego, das es konstituiert hat, hypnotisierte, darin aufginge, wenn ob es daraus seinen Schutz und sein Gesetz machte“. Das Ego würde also als eine Art Hilfskonstruktion dienen, um dem Bewusstsein dessen unermüdliche schöpferische Produktivität zu verbergen. Es vermag Einheit, Konstanz und Personalität zu begründen, um von der Spontaneität des Bewusstseins abzulenken, welche sich „jeden Augenblick zur Existenz“ bestimmt, ohne dass wir dessen Schöpfer wären. „Auf dieser Ebene hat der Mensch den Eindruck, sich unaufhörlich zu entgehen, sich zu übersteigen, sich durch einen immer unerwarteten Reichtum zu überraschen“, meint Sartre. Der Versuch des Bewusstseins, sich gänzlich in das Ego zu projizieren, um vor sich zu fliehen, gelingt jedoch nie vollständig, da das Bewusstsein mittels der Reflexion sich vom Ich abwenden kann. Hier ließen sich auch verschiedene Krankheitsbilder lokalisieren, die ihren Ursprung eben darin hätten, dass das Bewusstsein bei den betroffenen Menschen, als etwas erschiene, dessen sie nicht sicher sein könnten, da sie jeden Augenblick von diesem und seinen aus dem Nichts erscheinenden Produkten, überrascht werden könnten.Die Transzendenz des Ego stellt eine Frühschrift Sartres dar und lässt den Weg erahnen, die die noch frischen Erkenntnisse, die sich hier in sehr gedrängter Form darstellen, später nehmen werden. Sein späteres Magnum Opus „Das Sein und das Nichts", wird sich durch die hier entwickelten Ansichten genährt finden. Die Tatsache, dass der Mensch sich ein fundiertes Ego aufbaut, um Halt zu finden, wird Sartre dann in seinen ausführlichen Analysen über die Aufrichtigkeit und den Beziehungen zu anderen noch wesentlich komplexer ausführen.