Read Die Judäo-Kommune - ein Feindbild in Polen: Das polnische Selbstverständnis im Schatten des Antisemitismus 1939-1948 by Agnieszka Pufelska Online

die-judo-kommune-ein-feindbild-in-polen-das-polnische-selbstverstndnis-im-schatten-des-antisemitismus-1939-1948

Seit Beginn des 20 Jahrhunderts ist polnisches Geschichtsbewusstsein deutlich vom Feindbild der Jud o Kommune gepr gt Es ist ein antisemitisches Feindbild, das sich auf die Verbindung von Juden und Kommunismus st tzt und als Gegenbild zur polnischen Nation erscheint Im Topos der Jud o Kommune wird unterstellt, die Juden w rden den Kommunismus instrumentalisieren, um mit seiner Hilfe die Weltherrschaft zu errichten Hiermit werden Antisemitismus und die in Polen durch die Teilungszeit intensivierte Russlandfeindlichkeit mit Antisowjetismus und Antikommunismus verbunden In dieser besonderen historischen Konstellation u ert sich ein strukturelles Ressentiment des modernen polnischen Nationalismus sp testens seit Beginn des 20 Jahrhunderts Die vorliegende Analyse versteht sich als ein Beitrag zur Kritik der polnischen nationalen Selbstidealisierung mittels antisemitischer Feindbilder in der Zeit des Zweiten Weltkrieges und des Stalinismus Sie versucht zu zeigen, dass der polnische Nationalismus mit dem Feindbild der Jud o Kommune ein Integrationssymbol politischer Vergemeinschaftung von hoher Kraft geschaffen hat....

Title : Die Judäo-Kommune - ein Feindbild in Polen: Das polnische Selbstverständnis im Schatten des Antisemitismus 1939-1948
Author :
Rating :
ISBN : 3506763806
ISBN13 : 978-3506763808
Format Type : EPub
Language : Deutsch
Publisher : Verlag Ferdinand Sch ningh Auflage 1., 1 Juni 2007
Number of Pages : 268 Pages
File Size : 963 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Die Judäo-Kommune - ein Feindbild in Polen: Das polnische Selbstverständnis im Schatten des Antisemitismus 1939-1948 Reviews

  • Volkmar Weiss
    2019-04-09 08:50

    Betrug der Bevölkerungsanteil der Juden in Polen um 1500 noch weniger als 1%, so stieg er auf 5% um 1660 und 10% im Jahre 1920. Vor 1939 war Polen weltweit das Land mit der größten jüdischen Bevölkerung. Über drei Millionen Juden lebten dort als religiöse wie als nationale Gemeinschaft.Von 1815 bis 1915 war Polen Teil des zaristischen Rußland gewesen, und das Verhältnis zwischen Polen, Litauern; Ukrainern und Russen einerseits und den Juden andererseits war oft ein konfliktgeladenes. Alexander Solschenizyn berichtet darüber in seinem Buch "Zweihundert Jahre zusammen". Internationale Bestrebungen, am Vorabend des zweiten Weltkriegs einen Teil der polnischen Juden nach Madagaskar auszusiedeln, gelangten nicht bis zur Vertragsreife (siehe die Bücher zum Madagaskar-Plan von Hans Jansen und Magnus Brechtken).Schlüsselwort der Auseinandersetzungen in Polen ist der abwertende Begriff "Judenkommune", bisweilen auch als "Judäa-Kommune" übersetzt. Das Schlagwort entstand im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919-1921), in dem die Juden pauschal der Unterstützung für die Bolschewiki angeklagt wurden. Im September 1939 sahen die meisten Polen die Rote Armee, die den Ostteil des Landes besetzte, als Invasionsarmee, ähnlich der deutschen Wehrmacht. Viele dort lebenden Juden erblickten in der Roten Armee jedoch eine Kraft, die sie vor den Nazi schützte.An diesem Punkt setzt das Buch von Pufelska ein, die ihre Arbeit 2005 in Frankfurt/Oder als Dissertation verteidigt hat. Wenn ein Deutscher das Thema aufgegriffen hätte, so hätte er bei gleichem Inhalt wahrscheinlich sehr große Schwierigkeiten, für sein Buch einen Verlag zu finden. Und nach der Veröffentlichung hätten Verlag und Verfasser vermutlich eine Menge Ärger bekommen. So erging es jedenfalls Johannes Rogalla von Bieberstein mit seinem Titel "Jüdischer Bolschewismus". Als Polin ist Pufelska jedoch in der Lage, sich ausgiebig auf originale Quellen in polnischen Archiven und Bibliotheken zu stützen.Mit großer Detailkenntnis rekonstruiert sie ein besonders dunkles Kapitel polnisch-jüdischer Beziehungen, nämlich die Legitimierung von Judenmorden unter deutscher Besatzung. "Wenn die Deutschen zu uns kommen", schrieb am 29. Juni 1941 ein polnischer Priester in sein Tagebuch, "kann mit den Juden etwas Böses passieren, zumal die Juden eng mit den Kommunisten und den NKWD zusammen gearbeitet haben. Die durch die bolschewistischen Verbrecher verfolgte Bevölkerung hat ihnen viel vorzuwerfen." Nicht nur in Jedwabne (siehe das Buch "Nachbarn" von Jan T. Gross), sondern in rund fünfzig weiteren Orten verübten Polen, manchmal schon vor dem deutschen Einmarsch, Pogrome an ihren jüdischen Mitbewohnern.Nachdem 1944/45 die polnischen Kommunisten im Gefolge der Roten Armee zum wichtigsten inneren Machtfaktor im neuen Staat geworden waren, rekrutierten sie eine beträchtliche Anzahl von Juden für die neu zu besetzenden Funktionen in Armee, Verwaltung und Geheimpolizei, die dem Juden Jakub Berman unterstand. So besaß der antikommunistische Untergrundkampf auch nach 1945 eine betont antisemitische Note. In Kielce kam es im Juli 1946 sogar zu einem erneuten Judenpogrom. In den folgenden Jahren wanderten die meisten noch bis dahin in Polen überlebenden Juden aus (vergleiche dazu: Michael Holger: Zwischen Davidstern und Roter Fahne. Die Juden in Polen im XX. Jahrhundert.)