Read Der weiße Mann: Ein Anti-Manifest (X-Texte zu Kultur und Gesellschaft) by Luca Di Blasi Online

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Wei e M nner werden zunehmend aus dem Zentrum, das sie Jahrhunderte lang wie selbstverst ndlich besetzten, gedr ngt Dieser Prozess, so begr enswert er ist, birgt Sprengstoff Dazu geh rt die Versuchung, Dezentrierung mit Marginalisierung und Privilegienabbau mit Diskriminierung zu verwechseln und sich schlie lich als Opfer der Opfer zu bemitleiden Die blutigen Attentate von Anders Breivik haben die Gefahren einer sich bedroht f hlenden wei en M nnlichkeit sichtbar gemacht In seinem Essay erkundet Luca Di Blasi schrittweise die M glichkeiten und Grenzen m nnlicher Selbstpositionierung Er legt das Dilemma frei, in dem sich wei e M nner im Multikulturalismus befinden und bahnt den Weg f r eine neue Perspektive jenseits vertrauter Formen der Selbsthysterisierung und Selbst berhebung....

Title : Der weiße Mann: Ein Anti-Manifest (X-Texte zu Kultur und Gesellschaft)
Author :
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ISBN : 3837625257
ISBN13 : 978-3837625257
Format Type : Hardcover
Language : Deutsch
Publisher : Transcript Auflage 1., Aufl 8 Oktober 2013
Number of Pages : 112 Seiten
File Size : 778 KB
Status : Available For Download
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Der weiße Mann: Ein Anti-Manifest (X-Texte zu Kultur und Gesellschaft) Reviews

  • James Bond
    2018-11-09 23:41

    Eins vorweg: Falls es sich bei diesem Werk um einen ironischen Seitenhieb auf aktuelle Geschlechter- und Whiteness-Diskurse handelt, hat der Autor meiner Einschätzung nach einen absoluten Volltreffer gelandet. Dann ließe sich konstatieren, dass er die unwissenschaftliche und plumpe Rhetorik dieser Diskurse mit hoher Präzision entlarvt. Falls er die Dinge, von denen er schreibt, hingegen ernst meint, dann sehe ich nicht nur die Grenzen wissenschaftlicher Redlichkeit verletzt, sondern auch die des guten Geschmacks. Dies möchte ich nachfolgend kurz erklären.1. "Die blutigen Attentate von Anders Breivik haben Gefahren einer sich bedroht fühlenden Männlichkeit in erschreckender Weise sichtbar gemacht." (Di Blasi)Es ist mir vollkommen unbegreiflich, wie jemand auch nur auf die Idee kommen kann, einen offensichtlich geisteskranken Kindes-/Massenmörder für seine eigenen gender-ideologischen Zwecke zu mobilisieren/instrumentalisieren. Abgesehen davon, dass es völlig daneben ist, einen pathologischen Einzelfall als Paten für ein durch und durch unwissenschaftliches Pamphlet heranzuziehen, würde mich auch einmal interessieren, was wohl die Angehörigen der Opfer dazu zu sagen haben, dass auf dem Rücken ihrer toten Kinder Ideologie in Buchform gegossen wird? Vor allem den "weißen Vätern" der Opfer dürfte es nicht ganz leicht fallen, die These nachzuvollziehen, dass Breivik letztlich einer von ihnen ist und sie im Grunde wie er. Eine Analogie bzw. Korrelation zwischen den Taten des Psychopathen Breivik und der These von einer sich bedroht fühlenden und doch stets anonym bleibenden Masse von "weißen Männern" ist an den Haaren herbeigezogen und abseits jeder Form von wissenschaftlicher geschweige denn moralischer Integrität.2. "Wie können weiße Männer über sich nachdenken – und warum ist das so schwierig?" (Di Blasi)Zunächst stelle ich mir beim Lesen die Frage: Ist die Figur des "weißen Mannes" in akademischen Kreisen jetzt tatsächlich salonfähig geworden? Bisher bin ich davon ausgegangen, "der weiße Mann" sei ein stereotypes Konstrukt. "Hugh, Winnetou hat gesprochen und bietet dem weißen Mann die Friedenspfeife an, um gemeinsam mit ihm in die ewigen Jagdgründe einzugehen!" Wie kommt es eigentlich, dass Autoren wie Di Blasi, die sich selbst als "Philosophen" bezeichnen, solche unsäglichen Simplifizierungen nicht nur öffentlich gebrauchen, sondern sich ein Wissenschaftsverlag auch noch dazu hergibt, diese Dinge zu publizieren? Denn es ist ja schon sehr bezeichnend, auf welch durchsichtige Weise Di Blasi versucht, dem "Gegenstand" der vorliegenden Arbeit - "die weißen Männer" - aufgrund willkürlich angedichteter intellektueller Defizite eine Unfähigkeit zur Selbstreflexion unterzuschieben. Warum er das tut, ergibt sich meiner Einschätzung nach aus einer der Funktionen von Stereotypisierung nach Aronson: "Ein Stereotyp ist die kognitive Komponente einer voreingenommenen Einstellung und ist definiert als eine Verallgemeinerung über eine Gruppe, wobei nahezu allen Mitgliedern identische Merkmale zugeordnet werden, ohne Rücksicht auf bestehende Variationen unter den Mitgliedern." Anders gesagt: Stereotype als Mittel zur Reduktion von Weltkomplexität. Wissenschaftlich ist das nicht. Wie kann es sein, dass ausgerechnet ein Kulturwissenschaftler offenbar nicht bemerkt, dass der Hauptgegenstand seiner Untersuchungen ein Stereotyp ist? Entweder er ist nicht in der Lage, seine Arbeit angemessen zu erledigen - dann ist er inkompetent. Oder er tut dies absichtlich - dann fehlt ihm der nötige Anstand.3. Praktiken der SelbstimmunisierungIch nehme an, dass Di Blasi um die Durchsichtigkeit und Trivialität seiner Ausführungen weiß. Warum sonst sollte er bereits in der Einleitung alles daran setzen, eine offene Diskussion zu sabotieren, indem er an allen Ecken und Enden Strategien der Selbstimmunisierung bemüht? Zwei davon habe ich schon erwähnt:* Dem weißen Mann fällt es schwer, über sich selbst nachzudenken. In einer Diskussion ist er daher notwendig immer schon der Unterlegene.* Der weiße Mann ist potenziell gefährlich (Breivik)! Alles was er sagt ist deshalb prinzipiell verdächtig.Und als ob dies nicht schon schlimm genug wäre, finden wir in der Einleitung noch weitere Textstellen, die dafür sorgen sollen, berechtigte Kritik am eigenen Standpunkt zu unterbinden. Die Argumentation ist nicht neu und schon gar nicht originell. In einem ersten Schritt wird zunächst ein vermeintliches Tabu konstruiert. In diesem Fall ist dies das Tabu, über Dinge wie Männlichkeit oder Weißheit (was immer das sein soll) nicht sprechen zu dürfen. Das ist offensichtlich nicht der Fall: Es gibt zahlreiche Bücher zum Thema, ebenso Konferenzen, Seminare, Diskussionsforen, Websites usw. Anschließend inszeniert sich der Autor dann als jemand, der mit dem Tabu bricht und den Mut besitzt, endlich einmal die Wahrheit zu sagen. Die entsprechende Textstelle lautet:"Das letzte Buch Michel Foucaults trägt den Titel: Der Mut zur Wahrheit. Wissen und Mut verschränkten auch schon die Aufklärer des 18. Jahrhunderts: Sapere aude. Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Vielleicht kann man folgenden Zusammenhang behaupten: Nicht, dass alles, was auszusprechen Mut erforderte, deswegen schon wahr wäre, wohl aber, dass das, was ohne Mut artikuliert werden kann, ohne Relevanz und in diesem Sinne unwahr ist. Manchen werden die Ergebnisse des vorliegenden Buches nicht gefallen. Bei anderen wird bereits die Umkreisung der Figur des weißen Mannes Verdächtigungen mobilisieren."Was passiert in diesem Absatz?* Der Autor positioniert sich auf einer Stufe mit Kant und Foucault - ein einfacher rhetorischer Trick mit der Absicht, sich selbst auf dem Rücken historischer Geistesgrößen in ein besseres Licht zu rücken.* Der Autor konstruiert ein Tabu, mit dem er dann vollmundig bricht. Das erfordere Mut, und bei den Mutigen stünden die Chancen naturgemäß besser, dass sie die Wahrheit sagen.* Im Umkehrschluss: Wer nicht den Mut besitzt, die Behauptungen zu teilen, ist feige. Und wer feige ist, kann weder die Wahrheit sagen noch etwas von Relevanz.* Kritik an den Inhalten wird als Bestätigung der Thesen gedeutet: "Wer gegen mich ist, bestätigt dadurch das, was ich sage!"Allein durch diese plumpen Versuche, die Spielregeln der Diskussion schon im Vorfeld zu steuern und kritische Stimmen zu diskreditieren, disqualifiziert sich Di Blasi meiner Ansicht nach selbst. Wie glaubwürdig ist ein Autor, der auf billige rhetorische Manöver setzt anstatt auf eine systematische Analyse? Wie integer ist ein Autor, der zu solchen Tricks greifen muss, um seine Gedanken gegen kritische Nachfragen jeder Art abzuschotten?Fazit: "Weißheit" findet sich in diesem dünnen Büchlein sicher haufenweise. Ich wage zu bezweifeln, dass sich das auch von Weisheit sagen lässt. Der Universität und anderen Forschungseinrichtungen empfehle ich, sich einmal genau anzusehen, in welche Projekte sie ihre Drittmittel investieren.