Read Der Forschungskraftunternehmer: Leben und arbeiten als Jungakademiker in der wissenschaftlichen Welt by Thomas Daniel Zabrodsky Online

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Thomas Daniel Zabrodsky untersucht, welche Lebensstile Jungakademiker unter den gegenwrtigen Bedingungen an Universitten ausbilden Um die durch das Gefge propagierten Lebensstile und den damit verbundenen gesellschaftlichen Rahmen herauszuarbeiten, fhrt er eine Diskursanalyse nach Michel Foucault durch Anhand einer empirischen Studie analysiert der Autor mithilfe des Strategien und Taktiken Konzepts von Michel De Certeau die praktizierten Lebensstile und geht folgenden Fragen nach Wo und wie re produzieren Jungakademiker den gegenwrtigen Diskurs, wo bauen sie Widerstnde gegen diesen auf Abschlieend werden die fr die Lebensfhrung handlungsleitenden Muster herausgestellt und die Tendenzen beschrieben, die sich fr die Forschungsarbeit ergeben....

Title : Der Forschungskraftunternehmer: Leben und arbeiten als Jungakademiker in der wissenschaftlichen Welt
Author :
Rating :
ISBN : B00DEHSM74
ISBN13 : -
Format Type : Kindle Edition
Language : Deutsch
Publisher : VS Verlag f r Sozialwissenschaften Auflage 1 28 August 2012
Number of Pages : 483 Pages
File Size : 768 KB
Status : Available For Download
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Der Forschungskraftunternehmer: Leben und arbeiten als Jungakademiker in der wissenschaftlichen Welt Reviews

  • Jonas Hunscher
    2018-11-09 19:28

    Zabrodsky geht in dieser Arbeit der Frage nach, welche Lebensstile Jungakademiker derzeit an den Universitäten ausbilden. Er fragt, wie Jungakademiker den gegenwärtigen Diskurs (re-)produzieren und inwiefern sie etwaige Widerstände gegen die Zumutungen des heutigen akademischen Betriebes ausbilden.Er schickt vorweg, daß es ihm in seiner Arbeit nicht daran ist, normativen Ratschläge d.h. wie gehandelt werden soll, zu erteilen. Es gebe keine einfachen kausalen Wirkungsketten nach dem Motto „mache A, um B zu erhalten“.Zudem nimmt er eine poststrukturalistische Perspektive ein, die den Fokus darauf legt, wie Phänomene diskursiv hervorgebracht werden und daß die Zustände erst aus den Kontexten/Diskurs hervorgebracht werden und es nicht die singuläre „Wahrheit“ gibt, die schon vorhanden ist und „nur noch“ zu erforschen bzw. entdecken gilt.Eine Beschreibung der Lebensstile von Jungakademikern bringe es weiterhin mit sich, sich mit den derzeit etablierten hegemonialen Ideologien im universitären / gesellschaftlichen Bereich zu beschäftigen. Er folgt bei der Arbeit keinem straffen Schema, sondern berücksichtigt die rhizomatische (Deleuze) Natur der Verhältnisse. Dies impliziert eine Verflechtung verschiedener Ebenen und erteilt einer strikten Hierarchisierung und Dichotomisierung eine Absage (wie es noch in der erkenntnstheoretischen Metapher vom „Baum des Wissens“ zum Ausdruck kam).Zabrodsky zeigt auf, daß die Jungakademiker nicht völlig passiv und ausgeliefert sind, sondern die Verhältnisse durch ihr Tun aktiv reproduzieren, da Anforderungen nie völlig handlungsdeterminierend sind und immer ein gewisser Freiraum besteht (anderenfalls wären Regeln oder Vorschriften so sinnlos wie überflüssig). Ein Individuum ist weder losgelöst vom Umfeld noch reines Produkt der Verhältnisse.Der Autor stellt nun wichtige Charakteristika des Fordismus bzw. Taylorismus vor: Effizienz, Hierarchie, Fließbandproduktion, Bürokratie, Verdinglichung, Überwachung, Standardisierung, (Top-down-)Zuweisung von Aufgaben und daß die Mitarbeiter nicht als Individuen gesehen, sondern zu berechenbaren Variablen gemacht und dabei auf ihre Arbeitsleistung reduziert werden.Mit dem „Postfordismus“ sollte dann der positive Wandel von der Fremd- zur Selbststeuerung kommen. Zabrodsky zeigt jedoch, daß dieser Wandel mitnichten generell positiv ist, sondern viele neue Probleme mit sich bringt, die hinter dem positiv konnotierten Begriff der Selbststeuerung verschleiert werden, da diese letztlich auf Überwachung mittels Kennzahlen, Leistungsvereinbarungen u.a. beruht. Kurz gesagt: der Mensch ist nun nicht mehr die berechenbare Variable, sondern er wird als eine selbststeuernde Ressource angesehen, die sich selbst steuert und dadurch schnell und flexibel auf Veränderungen reagieren können soll – die Verantwortung (für potenziell sämtliche Aufgaben) wird durch Dinge wie eben Leistungsvereinbarungen an den Mitarbeiter bzw. die Abteilung delegiert (daher auch die Korrumpierung und Ökonomisierung des Begriffs „Eigenverantwortung“).Zabrodsky erörtert nun die Phänomene der Rationalisierung, Normalisierung und Standardisierung der (Aus-)bildungen und adaptiert schließlich das Konzept des „Arbeitskraftunternehmers“ (Voß & Pongratz) für seine Arbeit bzw. den akademischen Betrieb. Er weist nach, daß (Mitarbeiter/Forscher) immer mehr gezwungen sind, sich einer umfassenden Form der Regulierung zu unterwerfen – das führt dazu, daß die Personen ihr Handeln oft (nur noch) darauf ausrichten, passende Lebensläufe zu entwickeln, um den gestellten Anforderungen zu genügen. Sie werden zunehmend dazu angehalten, sich an den verschiedenen Evaluationskriterien und Richtlinien selbst zu messen und an deren Erreichung zu arbeiten. Die Forscher werden anhand der Kennzahlen (wie Forschungsoutput – z.B. Anzahl der publizierten Artikel, Einwerbungsquoten etc.) quasi-objektiviert. Ihre Leistungen werden auf Zahlen reduziert, wobei andere Merkmale, die innerhalb des beschriebenen herrschenden Diskurses nicht „gesehen“ werden (können), ausgeblendet werden. Die Performance der Wissenschaftler wird dabei in eine Zahlenform übersetzt, was dazu führt, daß auch die Forscher zunehmend beginnen, sich untereinander als Objekte mit einem bestimmten Punktestand wahrzunehmen (siehe die Beliebtheit von Rankings).Der Autor zeigt nun auf, wie und warum die Reduzierung auf bestimmte Kriterien so gut funktioniert und zeichnet nach, warum auch Wissenschaftler überaus getrieben sind – von den Maximen der Kontrollgesellschaft wie Verbesserung der eigenen Position auf dem Arbeitsmarkt – und nicht von wissenschafts-inhärenten Fragestellungen wohlgemerkt.Zabrodsky geht nun kurz auf den Bologna-Prozess ein und legt überzeugend dar, daß in diesem Zusammenhang eine Managementrhetorik in die Universitäten Einzug gehalten hat und die Reform in erster Linie intendierte, den „Humankapitalwert“ der Gesellschaft und damit die „Wettbewerbsfähigkeit“ der Bevölkerung alias Personal zu erhöhen.Der Autor schlägt schließlich den Bogen zu Foucault bzw. Benthams Panoptikum und stellt die schlüssige These auf, daß der normierende und kontrollierende Blick der Gefängniswärter aus „Foucaults Gefängnis“ effektiv durch die heutigen akademischen Sanktionsmechanismen substituiert wurde.Fazit: Zabrodsky zeigt schonungslos und stichhaltig die (selbst-)ausbeuterischen und pathogenen Zustände auf, die im akademischen Betrieb heutzutage allzu häufig konstatiert werden müssen. Eine hervorragende und für (angehende) Wissenschaftler zugleich äußerst desillusionierende Analyse !Jonas Hunscher